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Wilhelm Busch,Lebensweiser, Philosoph, Humorist und Moralist. Nahezu unbekannt hingegen ist seine wundervolle Lyrik, die in den Bänden „ Kritik des Herzens“
und „Zu guter Letzt“ nachzulesen ist und die in ihrer Virtuosität an Heinrich
Heine und Erich Kästner erinnern. In ihnen lässt sich der Philosoph Wilhelm
Busch vernehmen, der das Wesen der Menschen durchschaut und analysiert hat, er
schreibt ohne Häme, mit einem „ demokratischen Lächeln“ auf den Lippen. „ Wer möchte diesen Erdenball Noch fernerhin betreten, Wenn wir Bewohner überall Die Wahrheit sagen täten. Ihr hießet uns, wir hießen euch Spitzbuben und Halunken Wir sagten uns fatales Zeug Noch eh wir uns betrunken. Und überall im weiten Land, Als langbewährtes Mittel, Entsprosste aus der Menschenhand Der treue Knotenknittel. Da lob ich mir die Höflichkeit, Das zierliche Betrügen. Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid; Und allen macht’s Vergnügen. Der Lebensweg Wilhelm Buschs mäandert. 1832 in dem kleinen Ort Wiedensahl geboren wird er erst neunjährig bei einem Onkel in Pflege gegeben und wächst bei ihm auf. Dem Wunsch des Vaters folgend beginnt er das Studium der Ingenieurwissenschaften in Hannover, dass er nach kurzer Zeit jedoch aufgibt um sich in der Düsseldorfer Kunstakademie einzuschreiben. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Antwerpen jedoch muss er für sich erkennen, dass er niemals die Meisterschaft der von ihm verehrten niederländischen Maler wird erlangen können. Zutiefst in dieser Erkenntnis getroffen setzt er sein Studium halbherzig in München fort. Seinen Skizzenblock hat er immer dabei und mit schnellen Federstrichen gelingt es ihm das tiefste Wesen der ihn umgebenden Menschen auf Papier zu bannen. Bald wird sein Talent für Karikatur und Satire erkannt und er beginnt als Zeichner für die „Fliegenden Blätter“ und den „ Münchener
Bilderbogen“ zu zeichnen. Seinen Durchbruch erlebt er mit seiner ersten
eigenständigen Bildergeschichte: „ Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hießen.“ Max und Moritz bilden den Grundstock für all sein späteres Schaffen. Fortan galt er als der Vater der Bildergeschichte, des modernen Comic, dessen Ruhm bis ins ferne Amerika getragen wurde. Sein zunehmender Bekanntheitsgrad und der Ruhm stören ihn in seiner Ruhe, die er so dringend für sein Schaffen braucht, er zieht sich zurück, in sich selbst und nach Wiedensahl, weit weg vom Trubel und rastlosen Prosperität der Gründerzeit. Man sieht ihn wieder mit Skizzenblock und Zeichenstiften in der Hand seine ländliche Umgebung durchstreifen. Frei von finanziellen Zwängen kann er seiner alten Passion nachgehen. In niederländischer Manier, auf kleinformatige Leinwände, malt er seine unzähligen Ölgemälde. Sie sind nur für ihn selbst bestimmt, der Öffentlichkeit unzugänglich stapeln sie sich in den engen Räumen des Elternhauses. Über 1000 Gemälde werden in seinem Nachlass entdeckt werden. Der Zenit seines Lebens ist überschritten, als er seine letzte Bildergeschichte, „ Der Maler Klecksel“ beendet. In dieser Zeit entstehen seine autobiographischen Aufzeichnungen, „ Von mir über mich selbst“ und „ Mein Lebenslauf“ und die Prosatexte „ Eduards Traum“ und „ Der Schmetterling“ . Dem Getümmel der Welt hat er sich vollends abgewandt, als er
mit seinem Neffen 1898 nach Mechthausen in den Harz zieht. „Wer einsam ist der
hat es gut, weil niemand ist, der
ihm was tut.“ Es ist sehr ruhig um ihn geworden, einsam, mit seinem Schlapphut auf dem Kopf und einer Zigarette zwischen den Fingern, kann man ihn durch die Felder streifen sehen. Im Januar 1908 starb Wilhelm Busch. Der Tod kam leise und friedlich. Der festen Überzeugung, das das Rad des Lebens niemals stillstehen werde, konnte er getrost die Seite wechseln: „Wird man aus dem
einen Leben herausgekippt, huscht man ins andere wieder hinein“ Seine Hinterlassenschaft hat auch 100 Jahre nach seinem Tod keinen Staub angesetzt und seine Geschichten, Bücher und Bilder sind unvergessen. Jeder, so lehrt er uns, hat die Pflicht und die Möglichkeit am großen Weltgebäude mitzuzimmern, auf dass es irgendwann, und sei der Zeitpunkt noch so ferne, besser würde.
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